Mineralien in und um Sommerkahl

 

Der bunt mineralisierte Tagebau ist ein bekannter Fundort für zahlreiche, meist farbige, sekundär gebildete Mineralien wie Azurit und Malachit.

Achtung diese Informationen sollen keine Anregung sein sich selbst auf die Suche nach Mineralien zu machen. In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinweisen, daß das eigenmächtige Schürfen und herausbrechen von Gestein innerhalb des Bergwerkes "Grube Wilhelmine" verboten und der Zutritt nur in Begleitung autorisierter Vereinsmitglider möglich ist. Dies ist, auch von den bereits angerichteten Schäden abgesehen, schon allein aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht möglich und somit verboten. Vielmehr möchten wir an dieser Stelle einige mineralogische Besonderheiten für die Allgemeiheit zugäglich machen.

Das linke Bild zeigt einen blauen Azurit mit den strahligen, blaugrünen Aggregaten eines nicht sicher bestimmten Minerals, wahrscheinlich Tirolit. Im rechten Bild erkennen Sie im Zentrum einen aus großen, grünbraunen Kristallen bestehenden Olivenit mit randlich der typischen, feinstnadeligen Ausbildung des gleichen Minerals; (Bildbreiten ca. 3 mm).

Die bunten Mineralien des Tagebaues sind seit langem das Ziel von Mineraliensammlern. Bereits der berühmte straßburger Mineralogieprofessor Hugo BÜCKING (1851-1932) suchte hier nach Kupfererzen. Die primären Erze sind Verwachsungen aus den Mineralien (Sulfide):
Bornit (Cu5FeS4)
Tennantit (Cu12As4S13)
Pyrit FeS2
Chalkopyrit CuFeS2 - und andere Sulfide in sehr kleinen Mengen

Mit Ausnahme des Tennantit und Pyrit kommen die Erze nur derb vor. Idiomorphe Kristalle werden kaum und selten einige mm groß. Diese metallhaltigen Mineralien waren das Ziel des Bergbaues. Die Erze sind inning miteinander verwachsen, weshalb die Aufbereitung des Erzes sehr schwierig war. Dabei ist der Tennantit und Bornit vor dem Pyrit und Chalkopyrit gebildet worden. Der in der Literatur erwähnte Idait konnte noch nicht nachgewiesen werden. Der Tennantit enthält geringe Mengen an Silber.
Die Mineralisation weist auf eine recht niedrige Bildungstemperatur hin. Die entlang der Störungen aufdringenden, bariumhaltigen Hydrothermen mit den gelösten Metallen schieden die Erze aufgrund der höheren C-Gehalte im Grenzbereich zwischen Kupferschiefer und Gneis wieder aus. Der Kupfschiefer ist inzwischen wegerodiert worden, steht aber in der Umgebung noch flächig an und war in füheren Zeiten der Grund für zumindest einen Versuchsbergbau.

Bornit (ganz dunkel), Tennantit (etwas heller) und Pyrit (gelb)Im linken Bild erkennt man einen cm-breiten Erzgang aus Bornit (ganz dunkel), Tennantit (etwas heller) und Pyrit (gelb). In der unteren Hälfte bestehen die dünnen Erzschnüre und metallischen Imprägnationen um den Quarz (grau) meist aus Pyrit, nur links ist ebenfalls Bornit erkennbar. Das Stück des typischen Gneises wurde angeschliffen und poliert. Der Gneis selbst besteht aus Quarz, Feldspat und wenig Glimmer (Muskovit).

In Spuren dabei finden sich neben den Erzmineralien die Gangarrten aus weißem Baryt, hellbraunem Dolomit, weißem Calcit und am meisten verbreitet, farblosem Quarz. An vielen Stellen sind die stark absätzigen Erze löchrig angewittert. In diesen Hohlräumen, oft begleitet von primären, angelösten Quarzkristallen wurde eine Vielzahl von grünen und blauen Mineralien der Oxidationszone gebildet:

metallisch glänzenden Tennantit den blättrigen, grünen ChalkophyllitDie Abbildung zeigt auf dem im frischen Zustand silbrig metallisch glänzenden Tennantit den blättrigen, grünen Chalkophyllit (nahezu sechseitig und grün) neben blauem Azurit (Bildbreite ca. 3 mm).

Folgende Sekundärmineralien wurden bis heute sicher nachgewiesen (Stand 3/2002):
Malachit
Arseniosiderit Malachit Aragonit
Azurit Mimetesit Brochantit
Bariumpharmakosiderit Olivenit Serpierit
Chalkanthit Posnjakit Ramsbeckit
Chalkophyllit Pyromorphit Cuprit
Chrysokoll Tirolit Gips
Cornwallit Goethit
Eis (besonders im Winter und stellenweise mit Cu-Sulfaten gefärbt), Manganomelan (röntgenamorph) in schwarzen, meist rissigen Krusten Devillin
Hämatit amorphes Cu-Arsenat Olivenit

 

 

Konichalcit Calcit (als meist braune Sinterbildungen von einigen cm Größe in den Strecken) weitere Mineralien werden später hier veröffentlicht!

Die Mineralneu- und ~umbildung findet stellenweise heute noch statt. Die wahrscheinlich im Jura gebildeten Sulfide (siehe oben) werden von den auf den Gesteinsklüften zirkulierenden Wässern unter dem Sauerstoff der Atmosphäre oxidiert. Dabei bilden sich saure Lösungen die reich an Schwermetallen wie Cu und As sind. Diese reagieren mit den löslichen Gesteinsbestandteilen zu Sulfaten wie z. B. den verbreiteten Gips. In Gegenwart von Arsen und/oder Kupfer entstehen die nahezu allgegenwärtigen blaunen und grünen Krusten.

Hinzu kommen sicher noch weitere Phasen, wenn die komplexen Untersuchungen (mittels Röntgendiffraktometrie, Mikrosonde, Erzanschliffen usw.) fortgeführt werden. Nach Abschluß der Arbeiten sollen die Ergebnisse publiziert werden.
Wenn Sie - d. h. der Leser dieser Zeilen - Mineralien kennen oder gar haben, die hier nicht aufgeführt sind, dann bitte ich um Mitteilung oder noch besser um ein Belegstück zur sicheren Analyse.

 

Diese Information ist mit Unterstützung von Joachim Lorenz entstanden, einem anerkannten Mineralogen und einem Fachmann in der Geologie des Spessarts. Auf der Homepage von Joachim Lorenz finden Sie weitere interessante Informationen rund um Mineralien und die Goelogie des Spessarts.